Captain’s Dinner #32

Es ist angerichtet: Die 32. Kapitänsmahlzeit findet den Weg in die Kajüten der Leserschaft und wird in Zeiten der Corona-Pandemie im Eiltempo verschlungen.

Obwohl das Captain’s Dinner eines der altehrwürdigsten Fanzines deutscher Fußballliteratur ist, habe ich mich erst nach des Captains Podcast dazu entschlossen, die neue Ausgabe für 4,50€ zu bestellen. Wer sich vor einem Mikrofon anständig artikulieren kann, wird es schließlich auch schaffen, eine ordentliche Syntax aufs Papier zu bringen.

Tatsächlich wurde ich auf den 88 Seiten des farbigen Heftes nicht enttäuscht, da der Autor es auf eloquente Weise schafft, einen mit seinen Texten in den Bann zu ziehen. Insbesondere die besuchten Länder spielten diesem Umstand weiter in die Hände, denn mit Georgien und Destinationen in Osteuropa hat der Captain schlichtweg einen Nerv bei mir getroffen. Der Umstand, dass er durchgehend von sich selbst in der dritten Person schreibt, gibt dem Werk zudem eine humoristische Note, dessen implizierter Größenwahnsinn durch die leserbezogene Verwendung der Höflichkeitsform abgemildert wird – der Captain gibt sich bescheiden.

Saburtalo-Allesfahrer

Zu Beginn des Lesevergnügens wird die Lust auf einen Georgien-Urlaub, gleichzeitig aber auch die Angst vor einer Spielverschiebung in Tkibuli geschürt und im weiteren Verlauf Anekdoten zum Mauerfall, des Captain’s Hilfe bei der Erlangung eines WM-Finaltickets sowie Ausführungen zu Bands und Konzerten eingestreut. Der zweite große Block bildet eine Osteuropa-Tour, die dem Saburtalo-Allesfahrer sogar ein internationales Auswärtsspiel in Zagreb einbrachte, ohne dass er den Leser darauf gesondert hinweist! Ob der traurige Höhepunkt der Ausgabe die Tour in das Land des sterbenden Fußballs oder das letzte Regionalligaspiel der SG Wattenscheid 09 ist, bleibt jedem Leser selbst überlassen. Der Autor scheint in beiden Fällen zurecht gelitten zu haben.

Optisch ist die 32. Ausgabe im Vergleich zu anderen Postillen sicher nicht der größte Augenschmaus, doch die farbigen Fotos sind für den Zweck völlig ausreichend. Trotz des angenehmen Schreibstils hätte eine zusätzliche Rechtschreibkorrektur an mancher Stelle jedoch nicht geschadet, da die Wortgewandheit des Schreibers ohne sie etwas in Mitleidenschaft gezogen wurde – und das eigentlich völlig zu unrecht. Obwohl durchaus auf Begebenheiten während der Reise eingegangen wird, hätte ich mir zudem etwas mehr Details sowie Informationen zu Land, Kultur und Essen gewünscht.

Auf Wiederlesen!

Abschließend bleibt mir nur noch die Ausgabe zu loben und zu deren Kauf zu ermuntern! Allerdings nicht ohne in zwei Punkten den Klugscheißer zu spielen und mich direkt an den Verfasser zu wenden: Der Zuschauer-Negativrekord in einem Finale des Europapokals der Pokalsieger wurde nicht im Spiel von Dinamo Tiflis gegen Carl-Zeiss Jena, sondern im Spiel einer anderen Ostmannschaft erzielt. So waren bei der Partie 1. FC Magdeburg gegen AC Milan im Jahr 1974 rund 100 Menschen weniger im weiten Oval von „De Kuip“. Zudem wäre es wirklich schade, wenn der Captain dem ehemaligen Jugoslawien „Збoгom“ zurufen würde, denn dies bedeutet eher „leb wohl“ als „auf Wiedersehen“. So schlimm wird es hoffentlich nicht gewesen sein, denn zumindest ich würde mich über weitere Berichte aus dieser Region freuen.