FIFA träumt von WM im Gazastreifen

In Zeiten der Coronakrise hält sich die FIFA strikt an ihre 3G-Regel: Geldgier, Größenwahn und Gaunerei. Da verwundert es kaum, dass Präsident Gianni Infantino nach seinen jüngsten Geistesblitzen mit einer neuen Idee um die Ecke kommt – eine gemeinsame WM Israels und seiner arabischen Nachbarstaaten.

Ich wünsche mir eine Geschlechtskrankheit, den Hungertod und die Rückkehr von Sepp Blatter. Manche Ansichten sind schlichtweg schwer vertretbar. Doch wer vom Regen in die Traufe kommt, hat oftmals jedes Gefühl für Schmutzwasser verloren. Während also Fußballfans rund um den Globus in voller Naivität auf eine Rückbesinnung der nationalen und internationalen Verbände in der Coronakrise hoffen, machen die FIFA und ihr Präsident Gianni Infantino, was sie am besten können: Sie bringen das Fass derart zum überlaufen, dass es in der Traufe bis zum Halse steht. Noch bevor das vorweihnachtliche Turnier im arabischen Mutterland des Fußballs abgewickelt ist, bringt Infantino deshalb die nächsten Neuerungen sowie potenzielle Austragungsländer ins Spiel. Wie schlimm können diese schon sein? Mit der Aufstockung des Teilnehmerfeldes hat sich der Pöbel schließlich schon abgefunden. Selbst eine WM mit 128 Mannschaften, die ihre Gruppenspiele zu viert auf einem Feld austragen und bei gleicher Tordifferenz zum Dosenwerfen antreten, würde in den heutigen Zeiten maximaler Absurdität niemanden mehr schocken.

In diesem Sinne kam es für den Allvater des internationalen Fußballs wohl doch überraschend, dass der vorgeschlagene Zweijahresrythmus für die WM auf vehementen Widerstand traf. Nationale Verbände und Fans hatten die Vision schlicht nicht verstanden, die er nach über 20 Jahren aus Blatters Giftschrank holte. Geldgier wurde unterstellt. Welch abwegiger Gedanke. Ein derart „magisches Turnier“ verdiene eine häufigere Austragung, so der FIFA-Präsident. Und herrenlose Geldkoffer verdienen ein gemütliches Zuhause ohne Regenbogenfahnen. Aus Trotz über die Gegenwehr zielt das Jeff Bezos-Double nun nicht auf das finanzielle, sondern das geschichtliche Vermächtnis ab. Nichts Geringeres als der Friedensnobelpreis ist in Planung. So soll die WM 2030 – hier bewegen wir uns tatsächlich nicht im Bereich der Satire – von Israel und arabischen Staaten in der Region ausgetragen werden. Notfalls die Europameisterschaft.

Allen voran schlägt Infantino bei seinen Israelplänen die Beteiligung der Vereinigten Arabischen Emirate vor, wenngleich sich die beiden Länder nicht ansatzweise eine Grenze teilen. Während eine Bewerbung des Islamischen Staates von der politischen Entwicklung der kommenden Jahre abhängt, ist der Beifall aus Palästina, Saudi-Arabien, Ägypten, Syrien und dem Libanon bis auf den Zürichberg zu hören. Die völkerverständigende Wirkung des Fußballs – vier Spielorte für den Gazastreifen. Andere Mitbewerber um das erste Turnier der neuen Dekade schärfen bereits ihre Bewerbungen nach: China plant, die WM gemeinsam mit Taiwan auzutragen, kann bis dahin aber nicht die territoriale Integrität des Inselstaates garantieren. Großbritannien und Irland befeuern derweil alte Konflikte, damit ihre Hoffnung auf das Turnier nicht den pathetischen Friedensprojekten der Blitzbirne zum Opfer fällt. Die IRA würde für eine Bombenstimmung sorgen. Doch alle Mühe scheint vergebens. Sollte die israelisch-arabische Kollaboration scheitern, hätte Infantino sicherlich schon eine Gemeinschafts-WM von Pakistan und Indien, Aserbaidschan und Armenien oder den Elbenreichen und Mordor in der Hinterhand. Humanoider Blumenkohl und Zwangsdiät werden in der Fußballtraufe mehr und mehr zur Wohlfühloption.

Grimm, der; Bedeutung: heftiger Zorn; verbissene Wut; Verwendung: Mit sardonischem Grimm greift er zur Feder und bringt die Misstände im Fußball zu Papier.

Groll, der; Bedeutung: heimliche, eingewurzelte Feindschaft oder verborgener Hass, zurückgestauter Unwille, der durch innere oder äußere Widerstände daran gehindert ist, sich nach außen zu entladen, und Verbitterung hervorruft; Verwendung: Sein tiefer Groll gegen den modernen Fußball lässt maximal einen ironischen Zwischenruf zu.